Wechselrichter-Dimensionierung: Rechner, Tabelle, Hybrid
Die kurze Antwort ist eine Multiplikation: Modulleistung mal 0,8, dann auf die nächste Leistungsklasse runden. Auf einem Süddach gehören 10 kWp damit an 8 kW AC, 12 kWp an 10 kW, 8 kWp an 6 kW. Auf einem Ost-West-Dach mit Speicher darf es je eine Klasse kleiner sein, weil dort die Mittagsspitze fehlt. Der Rechner rechts rechnet genau diesen Unterschied, dazu MPP-Tracker, Phasen, Hybrid oder nicht und die Abregelung aus PVGIS-Daten.
Von Josef Gitterle, redaktionell verantwortlichVeröffentlicht am 22 Minuten Lesezeit17 Quellen
Das Wichtigste in Kürze
- Die Faustformel: Modulleistung in kWp mal 0,8 ergibt die Wechselrichterleistung in kW AC, dann auf die nächste marktübliche Klasse runden. Auf einem Süddach gehören 10 kWp damit an 8 kW AC und 12 kWp an 10 kW. Ein Ost-West-Dach mit Speicher verträgt eine Klasse weniger.
- Abregelung: Selbst ein Verhältnis von 1,33 auf einem Süddach kostet nur 1,7 Prozent Jahresertrag. Auf einem Ost-West-Dach liegt der Verlust bei praktisch null, weil die Mittagsspitze fehlt.
- MPP-Tracker und Phasen: Ein MPP-Tracker je gleich ausgerichteter Dachfläche. Ab 4,6 kVA je Phase schreibt VDE-AR-N 4105 den dreiphasigen Anschluss vor, das betrifft praktisch jede Anlage über 5 kWp.
- Hybrid und Notstrom: Ein Hybridwechselrichter ist ein Wechselrichter mit Batterieanschluss auf der Gleichstromseite. Er kostet 1.200 bis 4.000 Euro statt 800 bis 2.500, spart aber den späteren Tausch. Notstrom kostet 300 bis 800 Euro extra, Ersatzstrom fürs ganze Haus 2.000 bis 4.000.

Ihre Anlage in vier Angaben
Vier Fragen genügen, um einen Wechselrichter auszulegen. Voreingestellt ist ein Ost-West-Satteldach mit 12 kWp, einem Speicher von Anfang an und einer Notstromsteckdose. Wenn Sie die Anlagengröße noch nicht kennen, hilft der Ratgeber zur Anlagengröße, welche Dachfläche wie viel bringt, steht in Ausrichtung und Dachneigung.
12 kWp Module geteilt durch das Zielverhältnis 1,45 ergeben 8,3 kW, aufgerundet auf die nächste Leistungsklasse.
Dreiphasig ist Pflicht, nicht Wahl. Über 4,6 kVA je Phase ist einphasige Einspeisung nach VDE-AR-N 4105 nicht zulässig. Bei 8 kW AC braucht es ein dreiphasiges Gerät.
Wechselrichtergröße: warum kleiner richtig ist
Die naheliegende Annahme lautet: 10 kWp Module, also 10 kW Wechselrichter. Das ist falsch, und zwar systematisch. Eine Anlage erreicht ihre Nennleistung praktisch nie. Die Nennleistung gilt unter Standardtestbedingungen mit 1.000 W/m² Einstrahlung und 25 Grad Zelltemperatur, beides zusammen kommt in Deutschland kaum vor.
Ein Wechselrichter läuft nur 20 Prozent seiner Betriebszeit unter Volllast.
In Mitteleuropa arbeitet er rund 48 Prozent der Zeit bei etwa halber Last. Genau dort, im Teillastbereich, ist ein zu großes Gerät schlechter: Der europäische, teillastgewichtete Wirkungsgrad liegt bei kleinen Geräten bis 1,5 Prozentpunkte unter dem Spitzenwirkungsgrad, bei größeren nur 0,4. Ein kleineres Gerät läuft häufiger im guten Bereich seiner Kennlinie.
Für 12 kWp auf einem beidseitig belegten Ost-West-Satteldach streben wir das Verhältnis 1,45 an. Das ergibt rechnerisch 8,3 kW, und weil es Wechselrichter nur in Stufen gibt, wird daraus die Klasse 8 kW AC mit dem tatsächlichen Verhältnis 1,50.
Belege: reduco, photovoltaik.info, photovoltaik.org
Wechselrichtergröße nach kWp: die Tabelle
Wer nur die eine Zahl sucht, findet sie hier. Links Ihre Modulleistung, rechts die Leistungsklasse, die dazu passt, einmal für ein Süddach ohne Speicher und einmal für ein Ost-West-Dach mit Speicher. Der Unterschied zwischen beiden Spalten ist genau der Punkt, den Faustformeln unterschlagen: Ein flacheres Erzeugungsprofil verträgt ein höheres Verhältnis.
| Module | Süddach ohne Speicher | Ost-West mit Speicher | Anschluss |
|---|---|---|---|
| 4 kWp | 3 kW (1,33) | 3 kW (1,33) | einphasig möglich |
| 5 kWp | 4 kW (1,25) | 4 kW (1,25) | einphasig möglich |
| 6 kWp | 5 kW (1,20) | 4 kW (1,50) | einphasig möglich |
| 8 kWp | 6 kW (1,33) | 6 kW (1,33) | dreiphasig |
| 10 kWp | 8 kW (1,25) | 8 kW (1,25) | dreiphasig |
| 12 kWp | 10 kW (1,20) | 8 kW (1,50) | dreiphasig |
| 15 kWp | 12 kW (1,25) | 10 kW (1,50) | dreiphasig |
| 18 kWp | 15 kW (1,20) | 12 kW (1,50) | dreiphasig |
| 20 kWp | 15 kW (1,33) | 15 kW (1,33) | dreiphasig |
Als Faustformel: Modulleistung mal 0,8, dann auf die nächste Klasse runden.
Diese Faustformel entspricht dem Verhältnis 1,25 und liegt mitten im empfohlenen Korridor von 1,05 bis 1,40. Die einzige Ausnahme steht in der rechten Spalte: Bei einem Ost-West-Dach mit DC-gekoppeltem Speicher lassen die Hersteller bis 1,50 zu, und dort ist das auch sinnvoll, weil die Mittagsspitze fehlt. Sie ersetzt keine Auslegung, weil sie Dachform, Speicher und Stringplanung ignoriert, aber sie taugt zur Kontrolle eines Angebots: Weicht die angebotene Leistung um mehr als eine Klasse davon ab, fragen Sie nach der Begründung.