Photovoltaik-Ertrag zu niedrig? Sollwert und 9 Ursachen
Eine Zahl allein sagt nichts. Ob 780 kWh je Kilowatt Peak gut oder schlecht sind, hängt von Standort, Ausrichtung, Neigung, Verschattung und Alter Ihrer Anlage ab. Diese Seite rechnet daraus Ihren Sollertrag, stellt ihm Ihren Messwert gegenüber und sortiert neun mögliche Ursachen nach Wahrscheinlichkeit, jede mit ihrer belegten Verlustspanne. Am Ende steht die Rechnung, ob sich Leistungsoptimierer für Ihre Anlage lohnen.
Von Josef Gitterle, redaktionell verantwortlichVeröffentlicht am 25 Minuten Lesezeit16 Quellen
Das Wichtigste in Kürze
- Was normal ist: 900 bis 1.100 kWh je Kilowatt Peak im Jahr, Bezugswert sind 950 für ein Süddach mit 30 Grad in der Mitte Deutschlands. Entscheidend ist der Abstand zum eigenen Sollertrag: Bis 5 Prozent ist alles in Ordnung, ab 15 Prozent steckt meist eine einzelne große Ursache dahinter.
- Zwei häufige Irrtümer: Der Einspeisezähler zählt nur, was ins Netz geht, und unterschlägt die 30 bis 65 Prozent Eigenverbrauch. Und ein einzelnes Jahr streut um rund 8 Prozent gegenüber dem Mittel, ein schwaches Sonnenjahr ist kein Defekt.
- Größter Einzelhebel: Verschattung. Ein zu 50 Prozent verschattetes Modul in einem Strang aus zehn Modulen ist 5 Prozent der Fläche und kostet ohne Gegenmaßnahme bis zu 50 Prozent des Strangertrags. Bypass-Dioden begrenzen den Schaden am einzelnen Modul, den gemeinsamen Strom des Strangs retten sie nicht.
- Leistungsoptimierer: Unabhängig gemessen bringen sie 1,9 Prozent bei leichter, 5,0 bei mittlerer und 8,4 bei starker Verschattung. Hersteller versprechen 25 bis 40 Prozent. Nachrüsten lohnt nur für die Module, die wirklich im Schatten liegen.

PV-Ertrag berechnen: Ihre Anlage in sechs Angaben
Die letzte Frage ist die wichtigste: Ihr gemessener Jahresertrag geteilt durch die Nennleistung. Diese Zahl steht in der App Ihres Wechselrichters, meist als spezifischer Ertrag. Wenn Sie nur den Gesamtertrag kennen, teilen Sie ihn durch Ihre kWp. Nehmen Sie dafür den Erzeugungszähler, nicht den Einspeisezähler, sonst fehlt Ihnen der gesamte Eigenverbrauch.
Ohne den Standort ist die Frage nicht zu beantworten.
Zwischen Hamburg und München liegen nach PVGIS 14 Prozent Unterschied im spezifischen Ertrag, 976 gegen 1.110 kWh je Kilowatt Peak. Das ist mehr, als unsere Fünf-Prozent-Grenze für den Normalbereich zulässt, deshalb fragt der Rechner danach. Welche Rolle Ausrichtung und Neigung dabei spielen, steht ausführlich in Photovoltaik-Ausrichtung und Dachneigung.
Erwartet sind 833 kWh je kWp, gemessen haben Sie 650 kWh je kWp.
Hier fehlt etwas Großes. 22 Prozent unter dem Soll entstehen selten aus vielen kleinen Effekten. Prüfen Sie zuerst, ob Sie wirklich die Erzeugung ablesen und nicht die Einspeisung.
Was ein normaler Jahresertrag ist
Die bundesweite Spanne von 900 bis 1.100 kWh je Kilowatt Peak enthält fast jede Anlage und hilft deshalb nicht weiter. Die brauchbare Größe ist der Abstand zum eigenen Sollertrag.
Für die oben eingestellte Anlage sind das 833 kWh je kWp, bei 8 kWp also 6.663 kWh im Jahr. Gemessen wurden 5.200 kWh, das sind −22 Prozent.
Drei Bereiche, drei Reaktionen
Über 15 Prozent lässt sich nicht mehr aus Verschmutzung und Alterung erklären, dann steckt meist eine einzelne große Ursache dahinter. Etwa jede achte Anlage in Deutschland zeigt messbare Einbußen gegenüber ihrem Planungsertrag.
Zwei Dinge, die vor jeder Ursachensuche kommen
Erstens das Wetterjahr. Die Globalstrahlung schwankt in Deutschland von Jahr zu Jahr um rund 8 Prozent um ihr langjähriges Mittel, und genau dieses Mittel steckt in unserem Sollertrag. Ein trübes Jahr sieht deshalb aus wie ein Defekt. Der belastbare Vergleich ist der mit Ihrem eigenen ersten vollen Betriebsjahr und mit Anlagen in Ihrer Nähe. Portale wie sonnenertrag.eu oder pv-log sammeln genau diese Werte, oft mit Postleitzahl.
Zweitens der Zeitpunkt der Messung. Bis Ende Juni sind erst 54 Prozent des Jahresertrags fällig, bis Ende Juli 67 Prozent. Im Januar sind es 3 Prozent. Wer im Frühjahr misst und mit dem Jahressoll vergleicht, findet immer eine Lücke.
Wie viel von Ihrem Sollertrag von 6.663 kWh bis zum Ende des Monats da sein sollte
Wichtig für die Einordnung: Ihr Sollertrag rechnet schon mit allem, was am Standort normal ist. Die Temperaturverluste eines Sommers, die Wandlungsverluste des Wechselrichters und die üblichen Kabelverluste stecken bereits in den 950 kWh je Kilowatt Peak. Wer diese Effekte noch einmal abzieht, rechnet sie doppelt.
Belege: PVGIS, solaranlage.eu, solarenergie.de, Fraunhofer ISE