Photovoltaik-Ausrichtung und Dachneigung: Süd oder Ost-West
Die kurze Antwort: Süd mit 30 bis 45 Grad Neigung ist das Maximum. Ein Ost-West-Dach liefert bei 30 Grad 80 Prozent davon und verliert im Beispiel unten, gerechnet mit Speicher, nur 14 Prozent der Ersparnis. Zwischen 20 und 45 Grad Dachneigung liegen auf einem Süddach drei Prozentpunkte. Bei der PV-Ausrichtung entscheidet die Himmelsrichtung, nicht der Winkel.
Von Josef Gitterle, redaktionell verantwortlichVeröffentlicht am 20 Minuten Lesezeit15 Quellen
Das Wichtigste in Kürze
- Optimale Dachneigung: 30 bis 45 Grad bei Südausrichtung. Zwischen 20 und 45 Grad liegen nur 3 Prozentpunkte Ertrag, der Winkel ist also selten das Problem.
- Photovoltaik-Ausrichtung: Bei 30 Grad Neigung: Süd 100 Prozent, Südost und Südwest 95, Ost oder West 80, Nordost und Nordwest 65, Nord 60 Prozent. Das ist der eigentliche Hebel.
- Süd oder Ost-West: Ein Ost-West-Dach liefert 80 Prozent des Süd-Ertrags, verliert aber nur 14 Prozent der Ersparnis, weil 72 statt 65 Prozent des Stroms im Haus bleiben. Dazu passen rund 50 Prozent mehr Module aufs Dach.
- Nord und Flachdach: Nach Norden lohnt nur eine flache Fläche: 77 Prozent bei 10 Grad gegen 45 Prozent bei 45 Grad. Auf dem Flachdach ständert man nach Süden mit 15 bis 20 Grad auf, bei Ost-West mit 10 Grad.

Ihre Dachfläche in vier Angaben
Alles Weitere rechnet mit diesen vier Werten: die Tabelle, der Tages- und Monatsverlauf, der Vergleich in Euro. Voreingestellt ist ein Satteldach in Ost-West-Lage mit 32 Grad Neigung, beide Seiten belegt, zusammen 12 kWp und ein Speicher. Wenn Sie zwei Flächen haben, rechnen Sie sie nacheinander durch.
Das sind 756 kWh je kWp und Jahr, bei 12 kWp also 9.074 kWh.
Flacher wäre hier besser. Mit 10 Grad statt 32 lägen Sie bei 84 Prozent, also 4 Punkte höher. Auf einem Schrägdach ist der Winkel gegeben, auf einem Flachdach wählen Sie ihn.
Optimale Dachneigung für Photovoltaik: 30 bis 45 Grad
Diese Zahl steht in jedem Ratgeber, und sie stimmt auch. Nur wird daraus regelmäßig der falsche Schluss gezogen, nämlich dass ein Dach mit 22 oder 48 Grad ein Problem sei. Die Kurve um das Optimum ist sehr flach.
Zwischen 20 und 45 Grad liegen auf einem Süddach drei Prozentpunkte.
PVGIS rechnet für eine Südfläche in Kassel mit 1 kWp: bei 20 Grad 974, bei 30 Grad 1.003, bei 45 Grad 1.005 und bei 60 Grad 957 kWh im Jahr. Das Maximum liegt also nicht auf einem Punkt, sondern auf einem Plateau von 30 bis 45 Grad. Auf eine 10-kWp-Anlage gerechnet trennen 20 und 45 Grad rund 310 kWh im Jahr, also gut 100 Euro.
Für eine Fläche nach Ost oder West liegen zwischen 20 und 45 Grad Neigung 6 Prozentpunkte. Die oben eingestellten 32 Grad ergeben 80 Prozent, am besten wären es für diese Himmelsrichtung 84 Prozent bei 10 Grad.
Zwei Randbedingungen sind wichtiger als die letzten Prozentpunkte. Unter 7 Grad Neigung läuft Wasser nicht mehr richtig ab, Staub und Pollen bleiben liegen und kosten dauerhaft Ertrag. Was das über die Jahre ausmacht und wie man es erkennt, steht im Ertragscheck. Und in schneereichen Lagen sollte die Fläche mindestens 30 Grad haben, damit Schnee von selbst abrutscht, statt die Anlage für Wochen stillzulegen.
Regional verschiebt sich das Niveau, nicht das Optimum
Dieselbe Südfläche mit 30 Grad Neigung und 14 Prozent Systemverlusten liefert nach PVGIS je nach Standort:
Zwischen Hamburg und München liegen 14 Prozent, deutlich mehr als jede Neigungsentscheidung ausmacht. Wir rechnen bundesweit mit 950 kWh je kWp, dem konservativen Wert des Fraunhofer ISE, damit die Zahlen dieser Seite nirgendwo zu gut aussehen.
Belege: PVGIS, photovoltaik.org, ADAC, Fraunhofer ISE
Ausrichtung und Dachneigung selbst bestimmen
Der Rechner oben fragt nach beidem. Wenn Sie die Werte nicht kennen, kommen Sie in zehn Minuten dahin, ohne aufs Dach zu steigen.
- Ausrichtung aus der Karten-AppÖffnen Sie Ihr Haus in einer Satellitenansicht mit Norden oben. Der First läuft quer zur Blickrichtung der Dachflächen. Läuft er von Ost nach West, zeigen die Flächen nach Süden und Norden. Läuft er von Nord nach Süd, haben Sie ein Ost-West-Dach. Alles dazwischen schätzen Sie in 15-Grad-Schritten: 45 Grad Abweichung von Süden sind Südost oder Südwest.
- Solarkataster der KommuneViele Bundesländer, Landkreise und Städte betreiben ein Solarkataster. Dort ist Ihr Dach bereits aus Laserscan-Daten vermessen: Ausrichtung, Neigung, nutzbare Fläche und oft ein Ertragswert je Teilfläche. Das ist genauer als jede Schätzung und kostet nichts.
- Neigung aus dem GiebeldreieckMessen Sie die Höhe vom Dachboden-Fußboden bis zum First und die halbe Hausbreite. Der Arcustangens aus Höhe geteilt durch halbe Breite ist die Neigung. 3 Meter auf 5 Meter ergeben 31 Grad. Wer ein Smartphone hat, legt es stattdessen mit einer Wasserwaagen-App an die Dachschräge.
- Grad ist nicht ProzentDachdecker geben die Neigung manchmal in Prozent an. 100 Prozent sind 45 Grad, nicht 90. 30 Grad entsprechen 58 Prozent, 45 Grad genau 100 Prozent. Wer die Zahlen verwechselt, landet in der Tabelle zwei Spalten daneben.
Auf 5 Grad genau muss die Neigung nicht sein. Wie die Tabelle im nächsten Abschnitt zeigt, kosten 5 Grad Unsicherheit auf einem Süddach unter ein Prozent.